Hamburg Cyclassics 2016 - The Speed is on.

EuroEyes Cyclassics 2016 - Rennbericht 
SpeeeeedSpeeeedSpeeed. 
Unter diesem Motto stand wohl meine diesjährige Teilnahme an den EuroEyes Cyclassics. Ich war und bin fit und hatte mir eine gute Zeit vorgenommen! In 2014 war ich unter 3 Stunden gefahren und diese Zeit peilte ich auch dieses Jahr an. 
Am Vortag
Ich hatte meine Startunterlagen bereits am Freitag abgeholt, da ich irgendwie doch nervöser war als gedacht und sicher sein wollte, dass meine Unterlagen nicht bei den Rookiebeuteln in Billstedt landeten und so holte ich den Büddel und meine Nummer schon am Freitag ab. Erstaunt stellte ich fest, dass ich aus dem Block K starten sollte und war etwas verwirrt, warum meine Mitstarter aus anderen Blöcken starten sollten, aber die Startblockeinteilung ist wohl immer ein Buch mit sieben Siegeln und so ganz verstanden habe ich die Systematik noch nicht ganz. Naja, wie dem auch war, ich hatte meine Nummer und meinen Transponder abgeholt. Ein kurzer Blick in den Starterbeutel genügte um festzustellen, dass neben dem mittlerweile leider üblichen unnützen Papier ein Riegel von Taxofit und eine Trinkflaschen drin waren. Beides nicht so wirklich nützlich, aber das ist dann nochmal ein anders Thema... 
Ich präparierte also auch gleich am Freitagabend mein Rad mit dem Transponder, verpasste ihm (oder ihr? Immerhin hat es den Spitznamen "Pony...die Pony?) eine kurze Reinigung von der letzten Ausfahrt und fettete die Kette noch ein wenig. Und schon war das Pony fertig für den Ausritt am Sonntag. Alle anderen Teile am Rad war soweit fit, das hatte ich bei der letzten Ausfahrt bereits geprüft. Das Rad war also bereit. Aber war ich es auch? 
Am Samstag kam Lena, eine weitere Cyclassics-Ambassadorin aus Bremen an, die bei mir übernachtete und wir machten uns gemeinsam auf zur Messe und Akkreditierung. Nachdem wir Ihre Unterlagen ebenfalls abgeholt hatten und nochmals überrascht feststellten, dass wir nicht im gleichen Block, sondern sie in "O" eingeordnet wurde, bummelten wir über die Messe und stellten beide fest, dass wir für morgen mit allem nötigen Equipment ausgestattet waren. Es konnte also losgehen. Zum abendlichen Carbo-Loading trafen wir uns mit den weiteren Cyclassics-Ambassadoren Sandra, Andrea und Luis bei Peter Pane und gönnten uns einen leckeren Burger mit Dessert. Dies Speicher waren also aufgefüllt. 
Satt und zufrieden fielen wir früh ins Bett. 
RACEDAY
6:30 
Wecker klingelt. Zu früh. Ich möchte weiterschlafen. Es ist doch Sonntag. 
6:45
Ich stehe doch auf. Radrennen ist auch schön! Also aufaufauf! 
Nach Kaffee und Frühstücksbrötchen machen wir uns auf den Weg zur Rennstrecke. Auf der Sierichstrasse gesellen sich bereits die ersten Mitfahrer zu uns und der erste Vorgeschmack auf die Rennatmosphäre macht sich breit! Ich bin heiß auf Kilometer und Speed! 
Das Wetter spielt mit und die Windjacke, die ich bis zum Start an habe, ist schon zu warm, es ist Wetter für Kurz-Kurz!
Beinahe routinemäßig rollen wir zur Beutelabgabe, denn es gibt nichts entspannenderes als Turnschuhe nach dem Rennen anziehen zu können, und danach zu unserem Block. Auf dem Weg wünsche ich noch ein paar Rookies viel Spaß und Erfolg, die starten aus dem Block vor mir. 
Im Block einsortiert, werde ich dann doch nervös... Zum Glück bleibt mit dafür nicht allzuviel Zeit, gegen 8:45 rollt mein Block los und kommt durch die Hafencity am Start vorbei. Ich erwarte einen viel zu schnellen Start, bei dem ich üblicherweise denke, dass ich gleich alle Kraft "verballert" habe, aber alle Starter um mich herum ziehen gleichmäßig das Tempo auf 35/36km/h an, ein guter Speed bei dem ich links an einigen gut vorbei ziehen kann. Es geht durch den Hafen Richtung Köhlbrandbrücke, der erste "Anstieg" bei dem so mancher bereits eine erste Bewährungsprobe erlebt, auch ich bin dort manches mal rechts hochgeschlichen. Im Hafen quereren wir einige schienen. Alle sind gut mit Gummilippen oder Kaltasphalt gefüllt. Da kann man gut drüber fahren.  Heute läuft es aber, in der Mitte und links kann ich erneut an einigen vorbei ziehen und komme mit gutem Speed voran. Auch auf der Abfahrt läuft es gut, die Fahrrinnen und Fahrer um mich herum sind alle entspannt und passen aufeinander auf. Ich zügle mich etwas, da ich ahne, dass es in Harburg den Ehestorfer Heuweg hinauf geht und die "Bergwertung" kostet meist einige Körner. Ich sammle also etwas Kraft. 
Es geht links ab und schon verheißen die Schilder der Bergwertung, dass es nun hinauf geht. Gut, dass ich etwas Kraft gespart habe, die kann ich nun nutzen hier hin zu kurbeln. An der Strecke feuern viele Zuschauer die Cyclisten an, und das beflügelt, auch auf den letzten Metern bergauf wird geklatscht und angefeuert. Die Stimmung ist super, es wird an der Strecke gefrühstückt, geklatscht, getrommelt! 
Nach der Bergwertung geht es weiter in die Nordheide, wer denkt, dass es nun vorbei ist mit den Hügeln hat sich leider geirrt, denn eigentlich bleibt die Strecke auf ganzer Länge hügelig. Ich versuche mich so gut es geht in Gruppen vor dem Wind, der doch ganz schön von schräg-vorne weht, zu verstecken, was mit jedoch nicht immer gelingt, sodass ich auch einige Zeit im Wind vorne fahre. Immer wieder weht der Wind ordentlich von vorne. Von der Seite. Nur nicht von hinten. Verstecken. Reintreten. An so manchem Hügel beiße ich vor meinem inneren Auge in das Lenkerband. Immer wieder erwische ich echt fixe Züge...es läuft. 
Nach circa der Hälfte der Strecke geht es an der Verpflegung vorbei, ich benötige nix und lasse diese rechts liegen. Ich nehme lieber eines meiner liebevoll auf das Oberrohr geklebten Gels von Squeezy - Geschmacksrichtung "Bier".  Spannender Geschmack, mal was anderes als der Süsskram. Nach knapp 2 Stunden gibt mir ein weiteres "Bier" Power für den Rest der Strecke durch Harburg. Und es geht zurück. 
Das heißt: der Wind kommt in von hinten. Das schiebt. Es läuft noch besser. Ich beiße aber immernoch vor meinem inneren Auge in meinen Lenker. Von selbst läuft es dann auch nicht...
Eine letzte POWER-Waffel im Startblock
Eine letzte POWER-Waffel im Startblock
FAST DA. ODER DOCH NICHT. 
Harburg. Jedes Jahr denke ich, dass ich in fast da bin. Bin ich aber nicht. Ich Rollen von hinten an Timon heran, der vor mir gestartet war. Aber verliere ihn wieder aus den Augen, er erwischt einen Zug und zieht davon. Von dort sind es immernoch mindestens 15 km. Gefühlt eher 40. Es geht als in die Innenstadt von Harburg. Da wartet das Kopfsteinpflaster. 2x10m, die aber jedes Mal ganz schön wach machen. Da gilt es sich zu konzentrieren. Lenker festhalten. Gerade drüber fahren. Einige schüttelt es ganz schön durch. Ich denke an unsere Rookie-Rides und meine Hinweise alles am Rad zu befestigen, das scheinen einige Teilnehmer nicht so zu beherzigen, denn hinter dem Pflaster sieht es beinahe aus wie im Radsportladenausverkauf. So einige Schläuche, Pumpen und Flaschen liegen auf der Straße. Manchmal auch gleich im Set mit Kartusche. Wer also Ersatz benötigt --> einfach nächstes mal in Harburg einsammeln. Einen Schlauch sehe ich erst recht spät. Ich kann nicht ausweichen, weil ich nicht weis, was um mich herum ist. Mist. Lenker gerade und drüber treten. Glück gehabt, der Schlauch wickelt sich nicht ab, ich hopple einfach drüber. 
Dann geht es wieder Richtung Hafen. Wieder über die Schienen. Geht wieder gut. 
Die ersten Motorräder der Profis kommen uns entgegen  auf den neuen Elbbrücken kommt uns das Profipeloton entgegen. Viel zu schnell. Ich erkenne niemanden. Aber ich habe alle gesehen ;-). 
Dann geht es wieder Richting Hafen City. Viele Fahrer nehmen hier die Beine schon hoch. Oder lassen sie hängen. Auf jeden Fall kann man hier einiges gut machen, denn es sind immernoch 5,6,7km. Da kann man noch Plätze gut machen, auch ohne waghalsigen Zielsprint.
ZIELEINLAUF
Eine junge Dame bedankt sich bei mir für den Windschatten und das Ziehen und das tolle Tempo! Noch einmal am Hauptbahnhof vorbei, zum Gänsemakrt rüber und hinten ums Rathaus auf die Mönckebergstraße. Das Ziel ist nah. Die Stimmung bombastisch. Alles voller Zuschauer und alle feuern die Cyclisten auf den letzten Metern an. Ich genieße die Stimmung! Das ist schon ganz schön beflügelnd! Immer wieder. Nutzt sich auch nicht ab, dieses Gefühl. Zum Glück!
ZIEL!
Geschafft! 
Ich habe meine 5. Cyclassics unfall- und pannenfrei absolviert und auch noch eine gute Zeit gefahren. Sub 3h hat nicht ganz geklappt, aber was soll's...  Es war toll!!!
Es sind diese Momente, wo mein Rennen mit dem Rennen anderer verschmilzt, wenn sich Mitfahrer für das Rennen, den Windschatten, das ziehen, die gute Stimmung bedanken für die es sich lohnt immer wieder mitzufahren. Wenn ich dazu beitragen kann, dass jemand anderes auch ein gutes Rennen hat! 
Auf der Rennstrecke ein Selfie zu machen auf dem KEINE Mitfahrer sind. Wie hab ich das denn geschafft???
Auf der Rennstrecke ein Selfie zu machen auf dem KEINE Mitfahrer sind. Wie hab ich das denn geschafft???
Aber ich muss auch resümieren, dass einfach zu wenige Frauen auf der Strecke sind, zwar sind mit knapp 10% Finisherinnen auf den 100km doppelt so viele Frauen, wie in Berlin dieses Jahr auf der Strecke gewesen (das hatte ich mir ja gewünscht!), aber es könnten noch so viele mehr sein. 
Auf der 60km Strecke ist der Frauenanteil schon etwas höher, aber es müssen sich mehr Frauen trauen. 
Dafür braucht es aber einige Veränderungen, denn wir Mädels sind eine große Zielgruppe, die aber noch nicht sooo angesprochen wird, dass sie auch in der Mehrheit überzeugt ist mitzumachen. 
Für das nächste Jahr wünsche ich mir:
  • Starterbeutel für Frauen
Ja, ich weiß, für das Geld der Teilnahme erhält man nicht den Inhalt des Beutels, sondern Orga, Streckensperrung, Wertung und und und. Steht ja auch außer Frage, dass ich keinen Beutel im Wert des Startergelds erwarte. Aber ich möchte kein Aftershave for men, keinen x. Hinweis auf Männershampoo, oder oder oder... Die Liste ließe sich fortsetzen. Ich möchte auch keinen Nagellack oder Haarspray oder Lippenstift. Ich würde einen ernstgemeinten Beutel gut finden. Einen Flyer für Damenrennräder oder ein LadyBootcampReiseAngebot. Oder einen Eiweissriegel, eine Probe Eiweisshake. Mal eine Sitzcreme, die auch für Schleimhaut geeignet ist. Das wird sich doch für 1000 weibliche Starterbeutel machen lassen. 
  • Eine Urkunde, die die Frauenwertung auflistet
Wenn man sich dieses Jahr die online verfügbare Urkunde anschaut, so steht unter meiner Zeit tatsächlich Akl. 100 (100,2) Männer. Was soll das denn bitte? Die Damen dürfen sich mit den Herren messen, oder wie? Finde ich nicht gut. Ist vielleicht auch nur ein Programmier-Fehler. Dann aber ein echt ungünstiger. Das ist doch eher schade. Betraf übrigens alle Damen, nicht nur mich. (UPDATE 23.08.: Fehler ist korrigiert. Nun ist die Frauenwertung drauf.)
Damentrikot
Ne, ,muss nicht pink sein, muss auch keinen Glitzer haben. Aber ein tailliertes Trikot und eine Hose mit frauenspezifischem Polster wäre gut. Dann könnte man die auch mal bequem zum Training anziehen. Nicht jeder Frau steht oder passt ein Herentrikot oder -Hose. N Tailliertes T-Shirt oder Tanktop wäre auch cool! Würde ich auch kaufen! 
  • Mehr Safer-Cycling Guides und Guidettes
Dieses Jahr war mein Eindruck, dass das gesamte Peloton entspannter gefahren ist. Ich habe wenige brenzlige Situationen erlebt und nur einen Sturz gesehen! Das ist gut! Und führe ich auch auf die in den letzen Jahren vermehrt anwesenden Safer-Cycling Guides zurück. Aber da müssten viel mehr Ladies bei den Guides sein! Where can I apply?
  • Special-Wertungen
Wie wäre es denn mal mit neuen Wertungen? Warum gibt es keine Sonderwertungen für reine Frauenteams? Oder Mixed-Teams? Oder Wertungen für Teams, die zusammen gestartet und zusammen angekommen sind? So im Sinne einer möglichst gleichen Fahrzeit möglichst vieler Teammitglieder? Das Team könnte auch gesondert geehrt werden? Und sowieso, wo sind die Siegerehrungen? 
... 
Was ist dein Wunsch für die nächsten Cyclassics? Ich glaube das Orga-Team ist willig, aber vielleicht unterstützen wir sie mit ein paar Ideen?
Und wünsche kann man ja nie genug haben. Wenn nur ein paar der Dinge umgesetzt werden, wäre das für den Frauenradsport und die Jederfrauszene toll. Noch so ein Ding, das ich nicht verstehe. Warum denn JederMANN-Rennen? 
Ladies! Traut euch! Rauf auf die Räder! Rennradfahren ist viel zu schön, um es den Männern alleine zu überlassen!

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