Wechsel der Schalt-, Bremszüge und des Lenkerbands. Byebye Pinky...

Ja, wenn man so will, ist mein Rad schon old-school weil ich noch mit mechanischer Schaltung unterwegs bin. Die finde ich aber immernoch gut. Kein Akku, der leer ist, wenn man unterwegs ist, ich kann selber dran rumfummeln, mal besser, mal schlechter... ;-) Und ich mag das mechanische Gefühl beim Schalten. Finde ich einfach gut. Ich kann selber bestimmen, wie die Kette den Gang wechselt. Dies wird allerdings zum Glück nicht der nächste Blog zur Diskussion "mechanisch", "elektronisch", "kabellos" oder "verkabelt", nein, dies wird mein Eindruck vom Wechsel der Schalt- und Bremszüge und was ich dabei bestimmt nicht nochmal mache...

 

Warum überhaupt wechseln? Woran habe ich gemerkt, dass die Züge "durch" sind?

Nunja, die Schalt- und Bremszüge übertragen die Bewegung aus den Schalt-Bremshebeln (sagt ja der Name schon...) auf die Bremsen und die Schaltung. Diese Übertragung sollte möglichst direkt und ohne Kraftverlust sein, damit zum Einen die Schaltung weiterhin gut schaltet und zum anderen die Bremsen gut greifen und man nicht nach dem 3. Bremsmanöver Muskelkater in den Unterarmen hat...

An meinem Ruby aus 02/2015 sind noch die originalen Züge dran gewesen und nach gut 1,5 Jahren Allwetter-Fahrens taten die sich ziemlich schwer mit Bremsen und Schalten. Ein Aha-Erlebnis hatte ich im Vergleich auf meinem "alten" Alu-Renner, der hat schonmal neue Züge bekommen und bei einer Ausfahrt auf der Alu-Möhre wurde mir klar, dass das Schaltverhalten meines Ruby ganz schön ruppig ist, mal abgesehen von der kräfteraubenden Bremse. Wie es ja meist so ist, merkt man die Verschlechterung im Schaltverhalten zwar und auch, dass die Bremse viel Kraft kostet, aber so richtig die Notwendigkeit die Züge zu tauschen habe ich nicht gesehen...

Ausschlaggebend war dann der gerissene Schaltzug bei einem Freund während der Cyclassics nach 50 von 100km. Und auf eine Ausfahrt mit 2 Gängen hatte ich keine Lust, also war klar, dass die Züge wohl neu müssen...

 

Also: Bestes Indiz für verschlissene Züge --> einfach mal an einem neuen Rad bremsen und mit dem eigenen Bremsverhalten vergleichen. Wenn dann noch an den Zügen, Hüllen oder sonst irgendwo ein wenig Rost zu sehen ist, ist es allerhöchste Zeit! Gewechselt werden dann nicht nur die innen liegenden Züge, sondern auch die umgebenden Hüllen, da beide zusammen für das Schalt-  und Bremsverhalten verantwortlich sind und meist auch zusammen verschlissen sind.

Da mich der Schrauberehrgeiz gepackt hat, wollte ich das selbst macht... mutig bei innenliegenden Zügen... Lenkerband hab ich schon öfter gewechselt und so kompliziert konnte das auch nicht sein. Immerhin hatte ich kompetente Unterstützung von Tim, einem Azubi bei Specialized, der sich größte Mühe gab mich vor den gröbsten Fehlern zu bewahren.

 

Ich versuche mal die 5 elementarsten Schritte beim Wechsel der Züge zu beschreiben.

 

1. Lenkerband abwickeln, Züge freilegen

 

2. Alte Züge und Hüllen herausbauen

 

3. Neue Züge und Hüllen abmessen

 

4. Neue Züge einziehen

 

5. Lenkerband neu wickeln

 

So einfach so kompliziert...

1. Lenkerband abwickeln, Züge freilegen

Vermutlich der einfachste Schritt.

Lenkerendstopfen zunächst heraus schrauben oder ziehen, meine sind eingeschraubt.

Danach kann man das Lenkerband abwickeln, wenn man es wieder wickeln möchte, etwas vorsichtiger abwickeln, meines war jedoch so "durch", dass ich lieber im Anschluss neues nehmen wollte.

Die Gummiabdeckung der Bremsgriffe kann man meist einfach nach vorne klappen um an die Ein- und Ausgänge der Züge zu kommen und das Lenkerband abwickeln zu können.

Anschließend habe ich erstmal Klebeband, Reste und Dreck vom Lenker entfernt, sodass die Hüllen am Lenker frei liegen und ich sehen konnte welche Züge wo verliefen.

 

2. Alte Züge und Hüllen ausbauen

Dann kann man die alten Züge und Hüllen entfernen. Wenn man kein Profi wie Tim ist, sollte man immer nur einen Zug abbauen und den neuen verlegen. Ohne Tim hätte ich gleich die Orientierung verloren, was wo war, da er alle Züge schneller demontiert hatte, als ich gucken konnte. Im Prinzip ist der Ablauf immer der gleiche.

Man knipst mit der Bowdenzugzange (UNBEDINGT notwendig! Nicht zu ersetzen durch einen schöden Seitenschneider..., der quetscht den Zug und die Hülle, die dann zugedrückt ist, was dann nervt, weil der Zug nicht mehr durch geht und man die Hülle  nicht immer kürzer schneiden kann...Dranschneiden geht ja nicht...) vor der Festklemmschraube bspw. an der Hinteradbremse den Zug durch und kann den Zug dann schon frei in der Hülle verschieben.

Wenn man innen-liegende Züge, so wie mein Ruby hat, sollte man unbedingt einen Innen-Liner auf den Zug schieben, bevor man den Zug ganz raus zieht. Das ist eine dünne Hülle, die meist in neuen Rahmen steckt und die Führung bei der Montage für den Zug ist. Denn sonst ist es ganz nicht so einfach mit dem Zug blind den Ausgang aus dem Rahmen wieder zu finden...

Also Innen-Liner auf den Zug fädeln und dann erst den Zug aus dem Rahmen ziehen.

Die alten Hüllen kann man noch als Längenvorgabe für die neuen Hüllen nutzen und gleich die neuen Hüllen in der gleichen Länge abschneiden.

Brems- und Schaltzughülle unterscheiden sich übrigens deutlich, genauso wie die Züge selbst. Der Bremszug ist der dickere von beiden!

Bei den Hüllen sind auch die Bremszughüllen dicker und haben eine gewendelte Spirale als Hülle, die Schaltzughülle besteht aus parallel laufenden Drähten.

Wenn die neue Hülle die richtige Länge hat, Endkappen nicht vergessen!

Auf den Schaltzug kommen welche aus Plastik, auf den Bremszug aus Metall, da gibt's aber sicherlich auch 100 Varianten.

Wichtig ist, dass auf allen Enden eine Kappe ist.

 

3. Neue Züge und Hüllen abmessen

Sodenn, alter Zug ist raus, Innenliner ist drin.

Dann schnappe ich mir die alte Hülle und messe eine neue der gleichen Länge ab.

Wie eben schon gesagt, Endkappen nicht vergessen.

Die Züge haben alle ein gleiches Standardmaß, die kürze ich erst, wenn alles fertig montiert ist. Vorerst lege ich mir also einfach einen neuen langen Zug bereit.

 

4. Neue Züge einziehen

Innenliner sind drin, neue Züger liegen bereit, neue Hüllen sind gekürzt und liegen ebenfalls bereit.

 

Dann ziehe ich den Zug durch den Bremsgriff durch, dafür lohnt es sich bei der Premiere sich zu merken, wo der alte Zug raus kam. Bei Shimano fädelt man den Bremszug beispielsweise von vorne durch den Griff. Dann kommt er unter dem nach vorne geklappten Gummi des Griffs raus. Dann habe ich 2 Optionen, wo der Zug verlaufen kann, entweder vorne oder hinten am Lenker. Mein Zug geht hinten am Lenker lang, der andere vorne, so wir die Auflagefläche größer und komfortabler. Das kann man aber so machen, wie es einem beliebt.

Nachdem der Zu also durch den Bremsgriff ist, kommt die erste Hülle drauf, diese dann bis in den Bremsgriff schieben und den Zug in den Innenliner durch den Rahmen fädeln. Dann erstmal den Innenliner festhalten und den Zug bis hinten wieder raus schieben! Soweit die Theorie.

Am Zug meiner hinteren Bremse stellte sich die Situation folgender maßen dar. Zug vorne in den vermeintlichen Innenliner gefädelt und durchgeschoben. Hinten kam aber leider kein Zug raus. ich merkte, dass ich mit dem Zug irgendwo im Rahmen gelandet war... Das wollte ich eigentlich vermeiden...

Was war passiert?

Beim Durchschieben des Innenliners von hinten hatte ich gedacht, das Röhrechen, was vorne am Rahmen raus kam, wäre schon der Innenliner. War aber leider die fast genauso aussehnde Zugführung, die im Rahmen liegt. Die hatte ich fein nach aussen geschoben und der Innenliner lag im Rahmenn...Super...

Mir kam der Spruch wieder in den Sinn, dass man sich an dem Tag, an dem man innen liegende Züge verlegen will, besser nix vornimmt...

So musste ich die hintere Anschlaghülse abschrauben und den Zug angeln. Das gelang im geschätzt 150. Versuch.

Merke: Nächstes Mal hinten und vorne am Innenliner anfassen, dass es auch der selbe ist... Passiert mir sicherlich nur einmal und glücklicherweise nicht am Zug in der Kettenstrebe...

Naja, Zug war also drinnen, dann in die Bremse fädeln und schon mal provisorisch festklemmen.

Der 1. war also drin!

3 more to go...

So fummelte ich mich durch die anderen 3 Züge und schlussendlich waren alle 4 Züge und Hüllen neu montiert! YEAH!

Der Rest? Klacks... ;-)

 

Es folgt die Einstellung von Bremse und Schaltung.

 

Ich fange lieber mit den Bremsen an, das ist recht einfach und geht gut von der Hand.

Die folgende Variante finde ich am einfachsten.

 

Einstellschraube an der Bremse 2-3 Umdrehungen raus schrauben, Bremsbacken mit der Hand ganz an die Felge drücken und den Zug stramm ziehen und fest schrauben. Die zu dicht sitzenden Bremsbacken kann man nun mit reindrehen der Schraube wieder etwas von der Felge entfernen.

Check, ob die Bremse mittig bremst, wenn sie das nicht tut, prüfen, ob sie mittig am Rahmen montiert ist, oder ggf. etwas Öl benötigt, dass sie wieder gut federt.

Das Vorgehen ist für Vorne und Hinten identisch.

 

Die Einstellung des Schaltwerks und Umwerfers sprengen meine literarischen Fähigkeiten. Da gibt es Klasse Anleitungen bei Youtube... oder darüber mache  ich mal einen Extra-Blog...

Ich habs hinbekommen, beim Umwerfer hat mir Tim allerdings klasse geholfen, da hätte ich wohl n Moment länger gebraucht...

 

5. Lenkerband neu wickeln

Bevor ich neues lenkerband wickeln konnte, muss erstmal die "Unterkonstruktion" fertig sein.

Dazu klebe ich erstmal alle Züge am Lenker fest, wo sie auch verlaufen sollen.

Dann klebe ich darüber die Lenkerauflage fest und lege schlussendlich die Gelauflage oben drauf.

LEIDER!!! gibt es im Moment das Roubaix-Lenkerband nicht in Pink, daher ist es ein schwarzes geworden, das wird auch nicht so schnell dreckig.

Wenn dann die Unterkonstruktion in Position ist, es lohnt sich schon hier auf exakte Symetrie zu achten, wenn man später ein gleiche Griffgefühl möchte, geht es daran das Lenkerband zu wickeln.

Das habe ich schon ein paar mal gemacht und bekomme es nun ganz gut hin!

Ich fange unten am Lenkerstopfen an un wickle von innen nach außen! Die erste Umrundung des Lenkers so, dass das Lenkerband auch gut im Lenkerstofen verschwindet, die anderen Wicklungen dann mit circa halber Überlappung, vielleicht etwas weniger, auch hier lieber einige Wicklungen wiederholen und auf Symetrie achten. Das erfordert manchmal etwas Geduld...

Am Griff angekommen, gibt es verschiedene Optionen, ich wickle so, dass ich dieses mitgelieferte Extrastück Lenkerband nicht benötige, erst untenrum, dann nach oben und dann einige Umwicklungen weiter. Dann kann ich schonmal das Gummi vom Griff zurück klappen und gucke, ob mir das Ergebnis optisch gefällt. Ich brauche 2-3 Anläufe bis ich es gut finde und am Oberlenker weiter wickeln kann.

 

Das Ende schneide ich mit einer Schere so ab, dass man einen graden Abschluss bekommt und fixiere es mit Klebeband.

Viola.

Alles Montiert!

 

Dann die 1. Testfahrt: SENSATIONELLES SCHALTERLEBNIS! WOAHH!! Steht einem Neurad in nichts nach und fühlt sich klasse an, das hätte ich schon viel eher machen sollen...

 

Ladies und Gents, traut euch an euer Rad ran!

 

ich hab Lust auf mehr! Als nächstes steht der Kettentausch und der Einbau einer neuen Kassette auf dem Plan! Ich werde berichten! Das möchte ich nämlich auch selbst machen!

#schrauberpower

 

 

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