Frühjahrscheck fürs Rennrad - Worauf beim "Ausmotten" des Rennrads zu achten ist...

So, let it begin...

Zusammen mit Anita von den Bikesisters veranstalten wir dieses Jahr ein virtuelles Trainingslager! Ich bereite mich auf die Vätternrundan vor und Anita auf den Ladies Grand Prix in St. Pölten. Wir werden regelmäßig darüber berichten, und dieser Blogbeitrag ist bei mir der Auftakt im März meinen Allerwertesten aus dem Winterschlaf zu erwecken. Was braucht es dafür? Richtig! Ein fittes Rad, daher hier der erste Beitrag. Raus mit dem Rad aus dem Winterschlaf!


Der Winter ist noch gar nicht richtig rum und der Frühling lässt auch  noch ganz schon auf sich warten. Trotzdem mache ich mir schonmal einen Plan, was beim "Ausmotten" des Rennrads zu beachten ist, denn wenn die Sonne erst die Narzissen aus dem Boden kitzelt, will ich ja auf dem Sommer-Bike los. Daher -- Früher Vogel und so....

 

Warum überhaupt ein Frühjahrscheck fürs Rad? Nunja, ich fahre das Rad eigentlich übers Jahr durch, ich hänge es nicht im Herbst an die Wand und im Frühjahr wieder raus. Allerdings habe nun mit meinem Ruby und dem Diverge tatsächlich sowas wie ein Sommer- und Winterrennrad. Im Winter leidet jedes Rad ein bisschen mehr, daher ist der Frühjahrscheck eigentlich unabhängig von der Jahreszeit. Ich mache damit jetzt mein Ruby schon mal fit und wenn es dann wärmer und trockener wird, kann ich so auch mein Diverge warten...

Im Winter liegt meist viel Salz auf der Straße, der Dreck fliegt so durch die Gegend und es ist irgendwie fast immer nass. Das setzt dem Rad zu, insbesondere alle gefetteten Teile ziehen entweder den Dreck an, oder das Fett wäscht sich langsam aus, dass die Teile noch mehr leiden.

 

1. Schritt - Waschen!

Zunächst sollte der ganze grobe Dreck und das Salz vom Rad runter. Das geht am besten draußen mit viel warmen Wasser und etwas Spüli. Zur umfassenden Bikewäsche habe ich letztes Jahr schon einen Beitrag geschrieben, den findest du hier.

2. Sattelstütze und Sattel reinigen und fetten.

Wenn man viel im Regen unterwegs ist, bleibt es nicht aus, dass zwischen Sattelstütze und Rahmen irgendwann Sand seinen Weg findet. Der muss da jedoch wieder raus. Dafür zunächst die Sattelhöhe markieren oder auf der Skala der Sattelstütze ablesen und merken (oder aufschreiben!). Dann die Schraube an der Sattelstütze lösen und die Stütze heraus ziehen. Dabei kommt einem meist der Dreck schon entgegen... Nun die Sattelstütze und das Innere des Rahmens so gut es geht reinigen. Zur Reinigung eignet sich ein weicher Lappen mit etwas 105er (s. Blog). Die Schraube an der Sattelstütze sollte ebenfalls gereinigt werden! Und wenn man die Sattelstütze schon mal draußen hat, kann man auch gleich den Sattel abmontieren (Position vorher markieren!) und die Streben ebenfalls reinigen und Schrauben fetten. Wenn alles schön sauber ist, auf die Sattelstütze entweder etwas Fett auftragen oder Carbon-Montagepaste, je nach Rahmen und Sattelstützenmaterial und wieder montieren. Den Drehmoment, also mit wieviel Kraft die Schrauben angezogen werden dürfen, sollte man dabei beachten, sonst ist die Schraube schnell hin... Voilá, erster Punkt schon erledigt.

 

3. Vorbau und Gabel überprüfen und fetten

So, gleiches Spiel am Steuersatz und dem Vorbau. Dort kriecht der Sand und Dreck ebenfalls sehr gut rein. Den Steuersatz sollte man ab und an fetten, je nach dem wie viel man bei fiesem Wetter fährt.

Dazu löst man zunächst die Schrauben an der Gabel/am Vorbau, sodass man den Vorbau nach oben abziehen kann. Dann kann man die Gabel nach unten aus dem Rahmen ziehen und kommt an den Steuersatz dran, der oben und unten im Rahmen sitzt. Dieser sollte ebenso gereinigt und neu gefettet werden.

Wenn alles wieder sauber und gefettet ist, kommt der Steuersatz wieder in den Rahmen oben und unten und alles wird wieder montiert. Um die richtige Festigkeit der Klemmung der Ahead-Schraube, die oben in die Gabel kommt, zu ermitteln, hat sich folgendes Prozedere etabliert. Die Schraube wird etwas gezogen und das Rad hochgehoben, sodass es vorne tiefer als hinten gehalten wird. Durch seitliches Verdrehen des Lenkers, wie beim Lenken und "Sich-Auspendeln-Lassen" merkt man, ob die Schraube schon fest genug oder zu locker bzw. ggf. zu fest ist. Stückweise kann man die Schraube etwas fester ziehen. Maximal jedoch soviel wie Drehmoment zugelassen ist, oder man beim Auspendeln merkt, dass der Lenker etwas schwergängig ist, das ist dann zu fest. Wenn die obere Schraube passend angezogen ist, können die anderen beiden Schrauben angezogen werden. Dabei auf einen geraden Lenker achten!

Als zweiten Schritt sollte der Lenker noch aus dem Vorbau gelöst und ebenfalls gereinigt werden. Alle Schrauben und Auflageflächen ziehen den Dreck an und wirken auf Dauer wir Schmirgelpapier... Also Schrauben lösen und reinigen, dann wieder montieren.

Wer mag, wickelt sich noch ein sauberes, neues Lenkerband. Darüber folgt bald ein separater Blogbeitrag...


4. Bremsen prüfen

Die Überprüfung der Bremsen ist im Prinzip schon im Wasch-Blogbeitrag beschrieben. Sobald sie sauber sind, sind die Beläge gut zu erkennen und wieviel noch auf den Belägen ist. Nähern sie sich der Verschleißgrenze, sollten sie getauscht werden. Bei Überprüfung der Bremsen achte ich darauf, dass sie mittig platziert sind und nach dem Bremsvorgang auch wieder mittig stehen. Sie sollten nicht schleifen und in der Höhe passend auf die Bremsflanke greifen... Dabei überprüfe ich auch gleich ob sie leichtgängig zu bedienen sind. Wenn sie schwergängig werden, müssten eventuell die Züge und Hüllen ausgetauscht werden.

 

5. Kette & Schaltung überprüfen

Auch die Kette und die Schaltung leidet unter Nässe und Dreck, daher überprüfe ich an Kette und Schaltung vor allem ob alles rund läuft und sie gut schaltet. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es verschiedene Gründe haben.

Die Kette längt sich mit der Zeit und die Schaltung wird ungenauer. Ob die Kette wirklich länger ist, lässt sich mittels eine Kettenlehre ermitteln. Da ich die jedoch zuhause nicht besitze, fällt der Schritt aus, wegen "Nicht-Vorhanden"...

Wenn die Schaltung etwas ungenau läuft kann dies mittels der kleinen Drehschraube am Zuganschlag des Schaltzugs justiert werden. Mehr Zugspannung führt zu besserem Hochschalten, weniger Zugspannung zu besserem Herunterschalten.

Falls ich mit meiner Zeit nix anzufangen weiß, könnte ich auch das Schaltwerk demontieren und reinigen... Zumindest ein Austausch der Schaltwerksröllchen verbessert die Schaltleistung...

Wenn mit etwas Justierung an der Schraube die Schaltleistung nicht besser wird, so wende ich mich damit an den Bikeshop meines Vertrauens...

 

6. Kurbel und Pedale prüfen

Wichtiger Punkt, der oft vergessen wird und doch ganz einfach zu überprüfen ist. Hier prüfe ich, ob Kurbel oder Pedale Spiel haben.

Dazu wackle ich quer zur Tretrichtung an der Kurbel und an den Pedalen. Sollte Spiel vorhanden sein, merkt man das meist beim Wackeln. Es sollte sich alles fest und stabil anfühlen.

7. Mäntel und Felgen prüfen

Last but not least, sind Mäntel und Felgen zu prüfen.

Bei den Felgen schaue ich mir die Bremsflanke an, ob dort Risse, Wellen oder Einkerbungen sind. Wenn alles glatt ist, ist das prima. Wenn nicht, auf jeden Fall den Profi fragen, welche Veränderungen noch gehen und wann ein Austausch erfolgen muss. An der Felge selbst gucke ich mir noch die Speichennippel und die Bohrung an, sollte eine Speiche ausgerissen sein, so sieht man dies meist anhand eines kleinen Risses um die Speichennippel...

 

An den Mänteln gucke ich mir die Lauffläche und die Flanken an. beides sollte glatt und frei von größeren Einkerbungen sein. Wenn der Mantel auf er Lauffläche anfängt gerade zu werden, sollte er dringend getauscht werden. Ebenso, wenn sich Risse oder poröse Stelle ausmachen lassen! Safety first! Ein geplatzter Reifen bei 70km/h ist nicht schön...

 

Zum Schluss folgt eine kleine Testfahrt. Dabei achte ich darauf, wie sich die Bremsen anfühlen,  wie die Schaltung läuft (einmal alle Gänge durchschalten) und ob mir sonst noch etwas am Lauf des Rades auffällt.

 

Und dann bin ich bereit für den Frühling! Der kommt hoffentlich bald mal!!!

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