Vätternrundan 2017 - 300km um den See in Futterstationen

Die Anreise

Unsere Anreise beginnt mit einer Überraschung, geplant war mit einem Wohnwagen gen Schweden aufzubrechen. Bei der Abholung selbigen eröffnete sich jedoch die Überraschung, dass alle verfügbaren Wohnwagen nur bis 80km/h zugelassen waren…. Damit würde die Anreise nach Motala doch recht lang werden… Kurzerhand wurde uns ein Wohnmobil angeboten, welches wir gegen geringen Aufpreis dann mitnahmen.

Schnell waren unsere Sachen im Mobil verstaut, wir hatten uns ja vorgenommen mit leichtem Gepäck zu reisen, und letzte Besorgungen waren gemacht. Ab ging die Post… Pünktlich um 20:00 waren wir auf der Autobahn gen Norden….

In sensationellen 2,5 Stunden waren wir von Hannover nach Lübeck gereist und weiter ging es nach Norden. Genaus schnell waren wir dann in Puttgarden, zwar fuhr die Fähre gerade ab, aber mit einer halbstündigen Taktung standen wir dann um 23:45 auf der Fähre nach Rödby. Dunkel war es, aber so warm… Gute 45 Minuten später, 4,26€ für nen Kaffee und 8€ am Daddelautomaten auf den Kopf gehauen, fuhren wir dann in Dänemark wieder von Bord. Ein strenger Zöllner fragte uns wohin wir wollen und was wir machen… Ernster Typ. Ernst bleiben. "Cycling-Sweden-Vätternrundan-Return on Monday-Gute Reise". Danke. Wir verschwunden in die dänische Nacht…

In Dänemark ging es zügig Richtung Kopenhagen, wir bestaunten den roten Mond und ich war fasziniert von dem nächtlich hellen Himmel am Horizont im Norden. Gradewegs Richtung Norden blieb der Himmel in einem Fenster von vielleicht 70 Grad einfach hell… Eine Mischung aus Pastellfarben mit nächtlich grauem Schleier….Unglaublich schön.

Uuund zack war das kleine Dänemark auch schon durchquert, wir waren auf der Brücke nach Malmö und hatten endlich Schweden erreicht. An der Grenze erwartete uns erneut ein Zollbeamte, der uns allerdings nur kurz begrüßte und uns eine gute Reise wünschte.

Nun ging es durch das nächtliche Schweden, der helle Himmel wurde mehr, ein leichter Hauch von Morgendämmerung (ja, ich weiß ist kitschig, war aber wirklich schön) kam dazu und es wurde gaaanz langsam wieder heller. Wir hielten allmählich nach einer Tankstelle Ausschau und einer Möglichkeit für eine kurze Nachtruhe… Beides fanden wir um circa 3:30 hinter einem Rasthof. Da wir uns unser Bett ja umgeschnallt hatten, war der Weg nicht weit, wir pennten schnell ein, und schlummerten friedlich….

Zuuuufälligerweise war McDonalds gegenüber und behielt für uns ein Frühstück bereit. Gestärkt traten wir den Rest der Strecke bis Motala an. Durch endlose Wälder, an Seen vorbei bis nach Jönköping und da war der See schon! Nun war es nur noch ein Klacks nach Motala. Den See zur Linken, die morgige Strecke zur Rechten philosophierten wir über die morgige Runde.

Letzte Vorbereitungen

Da waren wir, auf dem vorübergehend eingerichteten Campingplatz Räsnass direkt am See. Wir schlugen unsere Zelte auf und erkundeten die Umgebung. Wasser, Duschen, WC alles vorhanden und so langsam füllte sich der Platz mit vielen Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen. Letzte Dinge der Vorbereitung waren vor allem das Abholen der Startunterlagen, welches wir mit einem kleinen Bummel über da Eventglände in Motala verbunden, und das Aufrüsten der Räder. Das hoben wir uns jedoch für den Freitag vor dem Start auf. Den Donnerstag verbrachten wir mit Entspannung, einem leckeren Grillen und dem genießen der schwedischen Natur. Die Schweden haben nämlich gefühlt 100 Singvögel, die direkt neben unserem Wohnmobil den ganzen Tag zwitschern... Nach wahnsinning erholsamer Nachruhe war der Tag gekommen auf den wir so lange gewartet hatten! Aus reiner Nervosität musste ich zunächst mein Rad fertig machen. Es war noch reichlich Zeit bis zum Start um 22:34 aber wer weiß.... Pünktlich um 14:00 fing es an zu regnen. Und das nicht zu knapp. Es schüttete. Richtig. Der Regen prasselte auf das Wohnmobil - eigentlich ganz gemütlich. Im Inneren ging ich die Optionen durch. Schutzbleche, Regenjacke hatte ich mit, dicke Handschuhe auch. Aber ich hatte keine Lust auf Regen und die Vorhersagen versprachen, dass es gen abend aufhören sollte!

Ich machte erstmal mein Rad fertig. Getränke, Oberrohrtasche, Zusatzakku für den Garmin, Beleuchtung, Schutzbleche (erst beide, dann eins wieder ab...hin und her...) 2 Riegel, ein paar Trockenfrüchte. Und meine Klamotten legte ich bereit. Ich entschied mich für:

kurze Hose mit Knielingen, Merinounterhemd, Kurzarmtrikot, Thermoarmlinge, Windjacke mit abzippbaren Ärmeln, dünne Mütze, Warnweste für ie Nummer und warme Handschuhe (das Thermometer des Garmin sagte später 7 Grad nachts, 25 tagsüber). So ging es zum Start!

Der Start und die ersten 47km

Vergingen wie erwartet im Flug. Timon und ich fuhren bei einander, gute 30 - 33km/h in die aufziehende Nacht. In einer großen Gruppe zogen sich vor uns endlose Mengen von Radlern durch die Nacht. Der himmel wurde dunkler aber nicht so dunkel, dass man nichts mehr sehen konnte. Den See zur Rechten rauschten wir durch die Felder, leichter Nebel legte sich über die Wiesen, ich konnte manchmal wirklich nicht genug gucken, so faszinierend sah die Szenerie aus. Trotzdem aufpassen! Um mich herum waren ja noch einige andere Fahrerinnen und Fahrer.

Von Motala nach Ödeshög waren ein paar kleinere Hügel zu absolvieren, keine Quälereien, die Straße folgte einfach der Landschaft...


ÖDESHÖG 47km

Wie gesagt schnell erreicht. Ich überlegte ob ich rein fahren wollte.... eingetlich hatte ich noch ausreichend Getränk, es lief gut. Aber da ich den Rest meiner bande verloren hatte, fuhr ich kurz ran und fand den Rest der Mispoke schnell wieder. Nach einem Brötchen und einem Stück slaziger Gurke ging es mit Timon gemeinsam weiter.

Richtung Ölmstad wurde es ein klein wenig hügeliger, der eine oder andere Hügel war zu erklimmen, ich rollte aber gut drüber und kam gut voran. Weiter durch die recht helle Nacht (nicht so, dass man kein Licht bräuchte, aber die Landschaft war ziemlich gut zu erkennen) durch Gränna durch, das die besten Zuckerstangen der Welt macht, glücklicherweise hatte ich schon welche auf dem Hinweg gekauft. Auf dem Koopfsteinpflaster durch den hübschen Ort vorbei an erstaunlich viel Partyvolk ging es weiter nach Ölmstad.

ÖLMSTAD 83km

Erstaunlich schnell war ich an der nächsten Station in Ölmstad, dort traf ich erneut die Jungs wieder und stärkte mich mit Zimt-Brötchen, salzigen Gurken und 2 Bechern Blaubeersuppe, die so süß war, dass ich den Zucker förmlich aufsog. Und lauwarm. Schmeckte verdammt gut und gab mit neue Kraft für den weitern Weg. Bis nach Jöönköping wo es Köttbullar gab, war es nicht mehr weit. Nur noch 20 Kilometer und dann hatten wir schon das erste Drittel rum!

Nach einem kurzen Besuch auf dem Dixi ging es weiter. Hügelig wie zuvor und zu gut fahren!


unkel? Ist doch Midsommer!

 

Midsommer - da wird´s ja gar nicht dunkel. Denkt vielleicht mancher...

Von wegen... zwischen 23:00 und 2:30 wird es schon ziemlich dunkel, nicht so, dass man seine Hand vor Augen nicht erkennen kann, aber ohne Licht sollte man auch nicht fahren. Daher wird bei allen Startern am Start das ift kontrolliert. Den Reflektorkrams braucht man nicht, aber Licht sollte schon gehen....

Aufgrund des guten Wetters war es nachts verhältnismäßig hell, bei Bewölkung sieht das jedoch ganz anders aus...


JÖNKÖPING 103km

Von Ölmstad ging es hügelig nach Jönköping wo uns in einer Eishockeyhalle (ohne Eis ;-) ) ein warmes Essen erwartete. Köttbullar mit Preiselbeeren und Gurke sowie einer erfrischenden Milch gaben neue Kraft! Wir entspannten uns ein paar Minuten und aßen noch eine Portion... Es geht nichts über warmes, deftiges Essen nach 100km! Wir machten uns wieder auf den Weg und mittlerweile dämmerte es bereits deutlich. Durch Jönköping durch, das noch im Schlaf lag... Gleich den ersten nervigen steileren Hügel rauf... Mit den Köttbullar im Bauch... ;-)

FAGERHULT 133km

Nach kurzweiligen 30 Kilometern kündigte sich schon das nächste Depot an, was war mittlerweile hell, ich hatte 2 spektakuläre Sonnenaufgangsfotos gemacht und war begeistert von der Organisation der Schweden. Auf einem Streckenabschnitt im Wald, der auf einem größeren Radweg verlief war alle 10m Licht installiert, welches den Weg hervorragend ausleuchtete. Wunderbar, so lies es sich fahren! Der Asphalt tat ein übriges zum Genuss, der der ist auf 250km exzellent, auf ein paar Stücke rauh, aber immer gut zu fahren!

Fagerhult ließen wir schnell hinter uns, der Weg führte durch scheinbar endlose Wälder immer ein wenig bergauf und bergab...

HJO 171km

HJO! Sehr gut! Wir hatten den Scheitelpunkt erreicht! Umkehren machte nun keinen Sinn mehr! Es gab leckere Lasagne und eine  Park in dem wir einen Moment entspannen konnten!

Auf dem Weg von Hjo zum nächsten Depot in Karlsborg (schönes Fort!) ödete mich die Strecke ein wenig an, ich hatte irgendwie kurzzeitig die Lust verloren. Ständig ging es rauf und runter immer durch Wälder... Vielleicht hing ich auch einfach nur im Fresskoma und brauchte einen Mittagsschlaf... Hinter Hjo machte ich den einen oder anderen Pipi-Stop, Timon war vor mir, ich wollte ihn nicht warten lassen bis ich endlich wieder angeplünnt und abfahrbereit war. Spätestens ab Jönköping lohnt sich ein Rast für die Bio-Pause im Wald und nicht auf den Dixis der Depots. allemal sauberer und entspannter als im warmen Dixi sich die Buxe hochzuhalten...


KARLSBORG 204km

Karlsborg! Hier wollte ich unbedingt halten, weil es so ein schönes Fort hat. Konnte ich aber irgendwie nicht genießen. Die Mitfahrer waren grade abgefahren, als ich ankam und die Station war recht wuselig... Ich füllte nur kurz meine Getränke auf und zog Armlinge und die Jacke aus. Es war recht warm geworden! Nachts war es recht frisch, nicht, dass mir kalt gewesen wäre, aber ich war um meine warmen Winterhandschuhe froh, und nun schien die Sonne mit aller Macht! Schön! Müdigkeit war verflogen, es war mittlerweile irgendwas am späten morgen (?) ich guckte nicht auf die Uhr... und schon ging es weiter. 

BOVIKEN 225km

Eine der Stationen, die man nur anfahren muss wenn Getänke alle sind oder war anderes fehlt. Ich ging nur kurz auf die Station, die ein Rastplatz an der Landstrasse ist, und lockerte mich etwas und beschloss gleich weiter zu fahren. Die Straße schlängelte sich nun durch Wiesen immer mal wieder einen Hügel hoch und die Kilometer vergingen.

HAMMARSUNDET 257km

Hierdrauf hatte ich mich gefreut! Über die große Brück am Nordende des Sees! Gang oben auf der Brücke hielt ich an und machte ein paar schöne Bilder. Warum sonst wenige Fahrer für Fotos anhalten war mit ein Rätsel... Ich genoss den Ausblick! Die Landschaft war einfach schön! Und hinter der Brücke war schon das nächste und für mich letzte Depot! Dort traf ich auch Timon wieder, der seit Hjo durchgefahren war! Klasse Leistung!

Wir beschlosse gemeinsam den Rest zu fahren und ließen die letzte Station aus.


Wie gesagt, die Station in Medevi schenkten wir uns auch wenn der Ort wahsinnig schön ist und der älteste Kurort Schwedes mit tollen Häuschen, eine Reise wert!

Die Strecke zieht sich auf den letzten 25km ziemlich...nochmal rechtsrum, nochmal links, kleiner Hügel, kleiner Wald und so weiter!

Ein Teil der letzten Strecke verläuft auf einer größeren Straße auf der erstaunlich viel Verkehr war (für Schwedische Verhältnisse) und man gehörig aufpassen muss. Immer wieder überholen größere Gruppen rufend links und wollen auf den letzten Kilometern noch Zeit gut machen! Hier gilt es rechts zu fahren und vorsichtig zu sein!

 

Das ZIEL kommt nach gefühlt dem 100. Hügel hinter der Brücke in Motala! Stolz wie Oskar bekommt man seine Medaille umgehängt und kann sich dann im Ziel erstmal erholen! Wir gönnten uns ein Bier vom Supermarkt und Tortillachips...


Auf der Strecke waren so viele tole Menschen, Damen auf City- und Treckingrädern, Veterane, die die Strecke schon 50 mal gefahren haben, Neulinge, die sich auf sich konzentrieren und noch ganz viele tolle andere!

 

Wer sich mit dem Gedankgen trägt einmal mitzufahren, der kann ich nur sagen: Macht es! Die Strecke ist gut für jede halbwegs trainierte zu schaffen! Und verspricht ein einmaliges Erlebnis!

 

Vätternrundan 2017 war ein voller Erfolg! Wetter, Menschen, Strecke, Unterkunft, ein voller Erfolg!!!
Vielleicht komme ich nochmal wieder!